Noten kannten wir nicht, wir wussten nur, dass man in das Mundstück hineinblasen müsse und dann käme aus dem Instrument ein Ton heraus.
Aber Begeisterung hatten wir.
Dies war das Motto in der Gründungsphase unseres Posaunenchores. Vier Bläser fanden sich im Jahre 1905 unter Prediger Böttcher zusammen,
um ihrem Glauben musikalisch Ausdruck zu verschaffen. Der erste öffentliche Auftritt fand auf einer Gartenversammlung in Oberweissach statt - vorgetragen
wurde das Lied Geh aus mein Herz und suche Freud. Unter Dirigent Georg Hilt gelang der Posaunenchor in den folgenden Jahren zu einer ansehnlichen Stärke.
Man nahm an allen Garten- und Waldversammlungen teil und war überall gerne gehört. Das Paradestück war hierbei der König-Karl-Marsch.
Dann die Zäsur: Der 1. Weltkrieg brachte die Aufbauarbeit zum Erliegen und riss erhebliche Lücken in den Chor. Auch Dirigent Georg Hilt kehrte nicht aus
dem Krieg zurück.
Nach den Kriegsjahren fand unter Gottlieb Thaiss ein Neuanfang statt. Die Posaunenarbeit erlebte einen zweiten Frühling. So scheute man sich sogar 1924 nicht,
auf dem Verbandsmusikfest in Esslingen am Wertungsspielen teilzunehmen. Im Folgejahr kam es dann (fast zwangslüufig) zur Teilnahme am Bundesmusikfest
in Nürnberg.
Im Jahre 1925 wurde Pastor Ferdinand Neuhäuser, der als Vorsitzender des Bundes Christlicher Posaunenchöre Deutschlands große Verdienste erbrachte,
nach Backnang versetzt. Unter seiner Leitung erlebte der Posaunenchor einen starken Aufschwung. Neben der musikalischen Begleitung der Einweihung unserer
Zionskirche war das am 30. Mai 1926 im Backnanger Bahnhofhotel stattfindende Neckarverbandsfest ein Highlight dieser Jahre.
Nach der Versetzung von Pastor Neuhäuser übernahm Fritz Bertsch von 1932 bis 1940 die Chorleitung. Er investierte einen großen Teil seiner Freizeit in
die nun stattfindende intensive Bläserarbeit. Die Begeisterung von jungen Leuten für das Spielen eines Blechblasinstruments waren ihm ein besonderes
Anliegen. Einer seiner Sprösslinge war beispielsweise auch Walter Mürter...
Leider brachte der 2. Weltkrieg mit all seinem Leid die Bläserarbeit ein weiteres Mal zum Erliegen. Acht der eingezogenen Bläser kehrten nicht in ihre Heimat zurück, darunter auch Dirigent
Fritz Bertsch. An eine schnelle Rückkehr zur Normalität war nach den Kriegsjahren nicht zu denken.
Der Neuanfang gelang dann auch erst Jahre später, in 1950, durch die Initiative von Pastor Walter Fritz und Dirigent Walter Mürter. Die Anfangszeit war mühevoll, musste doch ein neuer Chor aus
jungen, unerfahrenen Bläsern erst geformt werden. Aber die Begeisterung war wieder zu spüren - und so führte die Entwicklung geradeaus zur Teilnahme an den Musikfesten in Fellbach (1951)
und Schorndorf (1952), bei Letzterem auch wieder mit der Teilname am Wertungsspielen.
Nach und nach kamen weitere Bläser hinzu und schnell war der Posaunenchor wieder nicht mehr aus dem Gemeindeleben wegzudenken: Regelmäßig wurden nunmehr Gottesdienste, Waldversammlungen,
Geburtstage und Hochzeiten musikalisch umrahmt.
1955 feierten 18 Bläser ihr 50jähriges Chorjubiläum, in 1957 organisierte die Gruppe das Neckarverbandsmusikfest in der Stiftskirche, an dem unglaubliche 350 Bläser teilnahmen. Ausflüge
führten die Gruppe z.B. nach Berlin (1967), wo neben Bläserdiensten auch ein Fußballspiel im Rahmen der Methodistenliga stattfand.
Im Jahre 1986 ging der Dirigentenstab dann an unseren heutigen Chorleiter Eberhard Klix über. Seit nunmehr 19 Jahren leitet er unsere Übungsstunden (mit großer Geduld und Ruhe),
organisiert Termine und Musikstücke für unsere Bläserdienste und engagiert sich stark in der Ausbildung von Jungbläsern. Das Resultat lässt sich sehen (und hören)!
100 Jahre Geschichte gehen in 2005 zu Ende - der Posaunenchor aber spielt weiter (versprochen). Hoffen wir, dass die kommenden Jahre ebenso viele herausragende Ereignisse mit sich bringen werden
und wir gleichzeitig von den großen Tiefpunkten der Vergangenheit verschont bleiben.
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